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KI trifft Prozessautomatisierung

Smarte Workflows ohne große IT-Abteilung 

Das Telefon klingelt, während Sie auf der Baustelle sind. Im E-Mail-Postfach liegt eine neue Anfrage. Eine Kundin schickt Fotos von einem Schaden, ein Lieferant bestätigt Materialpreise und im Büro wartet noch die Angebotsliste. Viele Handwerksbetriebe kennen diese Situation nur zu gut: Die eigentliche Arbeit passiert beim Kunden, in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Trotzdem frisst die Büroarbeit jeden Tag viel Zeit. 

Digitale Werkzeuge können hier entlasten. Bisher ging es bei Prozessautomatisierung oft um Robotic Process Automation, kurz RPA. Dabei übernehmen Software-Roboter wiederkehrende Aufgaben: Daten aus einer Tabelle kopieren, Formulare ausfüllen oder Informationen von einem System ins Nächste übertragen. Das funktioniert gut, wenn ein Prozess klar geregelt ist. Schwieriger wird es, wenn Informationen unstrukturiert ankommen: als freie E-Mail, Sprachnachricht, PDF, Foto oder Chat-Nachricht. 

Genau an dieser Stelle kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel. Sprachmodelle können Texte verstehen, zusammenfassen, sortieren und Vorschläge formulieren. In Verbindung mit Automatisierungsplattformen entstehen daraus smarte Workflows: Ein digitaler Ablauf erkennt, worum es in einer Anfrage geht, stößt die passenden nächsten Schritte an und legt die Entscheidung dort vor, wo ein Mensch sie prüfen sollte.


Von RPA zu intelligenten Workflows 

Klassische RPA ist wie ein sehr genauer digitaler Mitarbeiter: Sie macht das, was ihr vorher Schritt für Schritt beigebracht wurde. Sie klickt, kopiert und überträgt Daten. Das ist wertvoll, aber eher starr. Schon kleine Änderungen an Masken, Dateiformaten oder Abläufen können dazu führen, dass ein Bot angepasst werden muss. 

Die Forschung spricht deshalb zunehmend von „Intelligent Process Automation“. Gemeint ist die Verbindung von RPA, Künstlicher Intelligenz und weiteren Technologien wie Texterkennung, maschinellem Lernen oder natürlicher Sprachverarbeitung. Ziel ist nicht nur, feste Klickfolgen zu automatisieren, sondern flexibler mit Informationen umzugehen und Prozesse besser zu unterstützen [2][3]. 

Für Handwerksbetriebe heißt das: Es geht nicht darum, gleich ein großes KI-Projekt zu starten. Viel spannender ist die Frage, welche kleinen Büroprozesse jeden Tag Zeit kosten und sich mit einfachen Bausteinen verbessern lassen. 

Ein Beispiel aus dem Handwerksalltag 

Stellen Sie sich einen SHK-, Elektro- oder Tischlereibetrieb vor. Eine neue Kundenanfrage kommt per E-Mail rein: 

„Hallo, wir haben seit gestern Probleme mit der Heizung. Es kommt nur lauwarmes Wasser. Können Sie diese Woche vorbeikommen? Adresse ist wie beim letzten Mal.“ 

Ohne Automatisierung passiert jetzt vieles von Hand. Jemand liest die E-Mail, sucht die Kundendaten, prüft frühere Aufträge, fragt nach einem Termin, legt vielleicht einen Vorgang an und schreibt eine Antwort. 

Ein smarter Workflow kann diesen Ablauf vorbereiten: 
  • Die Anfrage wird automatisch erkannt und als Servicefall eingeordnet. 
  • Die KI fasst den Inhalt kurz zusammen: Problem, Dringlichkeit, Adresse, mögliche Rückfragen. 
  • Das System prüft, ob die Kundin oder der Kunde bereits bekannt ist. 
  • Ein Entwurf für die Antwort wird erstellt. 
  • Falls ein Termin nötig ist, wird ein passender Zeitblock vorgeschlagen. 
  • Ein Mensch prüft den Vorschlag und gibt ihn frei. 

Wichtig ist dabei: Die KI entscheidet nicht allein, ob ein Auftrag angenommen, abgelehnt oder abgerechnet wird. Sie bereitet die Arbeit vor. Die Verantwortung bleibt im Betrieb. 

Warum das gerade im Handwerk spannend ist

Kundinnen und Kunden erwarten heute schnelle Rückmeldungen, individuelle Angebote und digitale Services. In der Bitkom-Studie „Digitalisierung des Handwerks 2025“ geben 85 Prozent der Handwerksbetriebe an, mindestens einen digitalen Service anzubieten. Gleichzeitig beobachten viele Betriebe, dass Kundinnen und Kunden anspruchsvoller werden: 87 Prozent erwarten individuelle Angebote und schnelle Erreichbarkeit [1]. 

Das passt genau zu smarten Workflows. Sie können helfen, schneller auf Anfragen zu reagieren, ohne dass jemand ständig das Postfach im Blick haben muss.

Besonders nützlich sind sie bei Aufgaben wie:
  • Kundenanfragen vorsortieren 
  • Angebotsanfragen zusammenfassen 
  • Standardantworten vorbereiten 
  • Auftragsdaten in ein System übertragen 
  • Rechnungs- oder Bestelldaten prüfen 
  • Materialanfragen an Lieferanten vorbereiten 
  • Interne Rückfragen automatisch an die richtige Person weiterleiten 

Der größte Vorteil liegt oft nicht darin, dass alles vollautomatisch läuft. Der Mehrwert entsteht schon dann, wenn Mitarbeitende weniger suchen, kopieren und nachfragen müssen. 

Smarte Automatisierung ohne große IT-Abteilung 

Viele Betriebe schrecken vor Digitalisierung zurück, weil sie an große Softwareprojekte denken. Doch moderne Automatisierung muss nicht mit einem monatelangen IT-Projekt starten. Es gibt heute visuelle Automatisierungsumgebungen, bei denen Abläufe aus Bausteinen zusammengesetzt werden: Eingang prüfen, KI befragen, Datenfeld auslesen, E-Mail vorbereiten, Datei ablegen, Aufgabe erstellen.

Solche Lösungen können je nach Bedarf in der Cloud, auf einem eigenen Server oder über einen Dienstleister betrieben werden. Dadurch lassen sich auch Setups aufbauen, bei denen nicht jede zusätzliche Nutzerin und jeder zusätzliche Nutzer automatisch teure Einzellizenzen benötigt. Trotzdem gilt: Kostenlos ist Automatisierung nicht. Es entstehen Aufwände für Einrichtung, Wartung, Datenschutz, IT-Sicherheit, Schnittstellen und die Nutzung von KI-Modellen.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht: „Welches Tool nehmen wir?“
Sondern: „Welchen Prozess wollen wir verbessern, welche Daten fließen dabei und wer trägt die Verantwortung?“


Ein smarter Workflow in einfachen Worten 

Ein KI-gestützter Workflow besteht meist aus mehreren Stationen: 

Zuerst kommt ein Auslöser. Das kann eine neue E-Mail sein, ein Formular auf der Website, eine Datei in einem Ordner oder eine Nachricht aus einem Kundenportal. 

Danach wird der Inhalt vorbereitet. Anhänge werden gelesen, Text wird extrahiert, alte Kundendaten werden gesucht oder fehlende Informationen werden markiert. 

Dann kommt die KI ins Spiel. Sie klassifiziert den Vorgang, fasst ihn zusammen oder erzeugt einen Antwortvorschlag. Bei komplexeren Anwendungen kann sie auch auf interne Wissensquellen zugreifen, etwa Preislisten, Wartungsanleitungen oder Vorlagen. In der Forschung wird dafür häufig Retrieval-Augmented Generation genutzt. Dabei wird ein Sprachmodell mit passenden Informationen aus einer kontrollierten Wissensbasis versorgt, statt frei aus dem allgemeinen Modellwissen zu antworten [4]. 

Zum Schluss folgt die Aktion. Das kann eine E-Mail im Entwurfsordner sein, ein neuer Eintrag im Bestellsystem, eine Aufgabe für das Büro oder eine Benachrichtigung an die zuständige Monteurin. 


Nicht alles sollte automatisiert werden 

So hilfreich KI ist: Sprachmodelle können Fehler machen. Sie können Inhalte falsch interpretieren, unvollständig zusammenfassen oder überzeugend klingende, aber falsche Aussagen erzeugen. Die Forschung beschreibt dieses Problem als „Halluzinationen“ oder Konfabulationen [5].

Deshalb sollten Betriebe klare Grenzen setzen. Ein guter Grundsatz lautet:

Automatisieren Sie Vorbereitung und Routine, aber behalten Sie Entscheidungen mit Risiko beim Menschen.

Unkritisch sind oft Aufgaben wie Sortieren, Zusammenfassen, Entwürfe erstellen oder Daten vorbereiten. Kritischer sind Preiszusagen, Vertragsinhalte, rechtliche Bewertungen, sicherheitsrelevante Einschätzungen oder Personalentscheidungen. Hier sollte immer eine menschliche Prüfung eingebaut sein.

Auch Datenschutz und IT-Sicherheit gehören von Anfang an dazu. Wenn Kundendaten, Angebotsdetails, Fotos oder Rechnungen verarbeitet werden, muss klar sein, wo diese Daten landen, wer Zugriff hat und wie lange sie gespeichert werden. Der europäische AI Act verfolgt einen risikobasierten Ansatz und betont je nach Einsatzfeld Transparenz, Dokumentation, menschliche Aufsicht, Robustheit und Cybersicherheit [7]. Auch das NIST AI Risk Management Framework empfiehlt, KI-Risiken entlang des gesamten Lebenszyklus zu betrachten und passende Maßnahmen für Steuerung, Messung und Kontrolle festzulegen [6].

So gelingt der Einstieg 

Der beste Start ist klein. Suchen Sie sich nicht den kompliziertesten Ablauf im Betrieb, sondern einen häufigen Vorgang, der nervt, aber überschaubar ist. Zum Beispiel: 

Neue Kundenanfragen per E-Mail sollen automatisch vorsortiert und als Antwortentwurf vorbereitet werden.

Danach lohnt sich ein kurzer Blick auf den Prozess: 

  • Welche Informationen kommen rein?
  • Welche Daten werden gebraucht?
  • Was ist immer gleich?
  • Wo gibt es Ausnahmen?
  • Wer muss am Ende prüfen?
  • Woran erkennen Sie, dass der Workflow gut funktioniert?

Für den ersten Test reicht oft ein Pilot mit wenigen Regeln. Zum Beispiel: Die KI darf nur klassifizieren, zusammenfassen und einen Entwurf schreiben. Versendet wird nichts automatisch. So sammelt Ihr Betrieb Erfahrung, ohne die Kontrolle abzugeben. 

Wenn der Ablauf stabil läuft, kann der nächste Schritt folgen. Dann werden vielleicht Kundendaten ergänzt, ein Ticket erstellt oder eine Aufgabe an die richtige Person weitergeleitet. Schritt für Schritt entsteht eine Automatisierung, die mit dem Betrieb wächst.

KI trifft Prozessautomatisierung: Smarte Workflows ohne große IT-Abteilung

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Quellen

[1] Bitkom e. V.: Digitalisierung des Handwerks – Studienbericht 2026. URL: https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-01/bitkom-studienbericht-handwerk.pdf, Abrufdatum 30.07.2026.

[2] Siderska, J. et al. (2023): Towards Intelligent Automation (IA): Literature Review on the Evolution of Robotic Process Automation (RPA), its Challenges, and Future Trends. DOI: 10.2478/emj-2023-0030.

[3] Chakraborti, T. et al. (2020): From Robotic Process Automation to Intelligent Process Automation. DOI: 10.48550/arXiv.2007.13257.

[4] Bernardi, M. L. et al. (2024): Conversing with business process-aware large language models: the BPLLM framework. DOI: 10.1007/s10844-024-00898-1.

[5]  Farquhar, S. et al. (2024): Detecting hallucinations in large language models using semantic entropy. Nature. DOI: 10.1038/s41586-024-07421-0.

[6] National Institute of Standards and Technology (NIST): Artificial Intelligence Risk Management Framework: Generative Artificial Intelligence Profile. URL: https://nvlpubs.nist.gov/nistpubs/ai/NIST.AI.600-1.pdf, Abrufdatum 30.07.2026.

[7] Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Verordnung über künstliche Intelligenz). URL: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A02024R1689-20240712, Abrufdatum 30.07.2026.

Fazit

KI macht Prozesse nicht magisch, aber leichter. KI-gestützte Prozessautomatisierung ist kein Selbstläufer. Sie braucht gute Vorbereitung, klare Regeln und einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Richtig eingesetzt, kann sie Handwerksbetriebe aber spürbar entlasten. 
Gerade kleine und mittlere Betriebe müssen dafür keine eigene IT-Abteilung aufbauen. Entscheidend ist ein pragmatischer Einstieg: ein konkreter Prozess, ein überschaubarer Pilot, menschliche Kontrolle und eine Lösung, die zu den vorhandenen Abläufen passt.

So wird aus KI kein abstraktes Zukunftsthema, sondern ein praktischer Helfer: für schnellere Kundenkommunikation, weniger Kopierarbeit und mehr Zeit für das, was im Handwerk wirklich zählt. 

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